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Verfahren zur Steigerung der Positionsgenauigkeit für zivile Nutzer
7.1 Das Differentielle GPS
(DGPS)
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DGPS (differential GPS) ist eine Dienstleistung,
die von Drittanbietern geboten wird und mit deren Hilfe man eine exaktere
Positionsbestimmung erreichen kann. Im Folgenden wird besonders auf das
DGPS für die Seefahrt eingegangen, da es in diesem Bereich vor allem
Bedeutung erlangt hat. Um dies zu erreichen, hat man Referenzstationen in
den Gebieten auf der Erde errichtet, in denen man erhöhte Anforderungen an
die Positionsgenauigkeit stellt (die linke Karte zeigt die Verteilung der
DGPS-Referenzstationen in Europa). Diese Referenzstationen besitzen eine
GPS-Empfängereinheit, mit deren Hilfe sie ihre Koordinaten berechnen.
Diese Koordinaten sind überwiegend fehlerbehaftet durch atmosphärisch bzw.
troposphärisch bedingte Laufzeitverzögerungen sowie der Künstlichen
Verschlechterung (SA).Da die Referenzstationen mit geodätischen Mitteln
sehr exakt vermessen wurden, können sie nun durch Differenzbildung der
beiden Positionen ein Korrektursignal berechnen. Dieses Signal wird nun
von den Stationen meist auf funktechnischem Wege (Seefunkfeuer-Bank: 283,5
- 315 MHz) ausgesandt. |
| Damit nun ein GPS-Nutzer von dieser erhöhten Genauigkeit profitieren
kann, muss sein GPS-Empfänger diese DPGS-Korrekturdaten empfangen und
auswerten können.
Bei vielen Geräten kann dieses Leistungsmerkmal
nachgerüstet und somit ein mittlerer quadratischer Fehler von 3,3 Metern
erreicht werden. Die nebenstehende Grafik zeigt die Verteilung der
Positionsfehler mit GPS und DGPS innerhalb von 24 Stunden. |
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Das eben beschriebene System nennt man Local Area DGPS
(LADGPS). Aus dem Namen leitet sich schon die Verfügbarkeit dieses Services ab.
Durch die Übertragung per Funk ist die Reichweite auf einige hundert Kilometer
begrenzt. Hinzu kommt, dass die von den Referenzstationen errechneten
Korrekturdaten eigentlich nur für den jeweiligen Standort der Station Gültigkeit
haben. Infolgedessen verringert sich die Positionsgenauigkeit beim
Differentialverfahren mit zunehmender Entfernung des Empfängers von der
DGPS-Referenzstation. Um mit einer 95%igen Wahrscheinlichkeit in einem Intervall
der vom Systemstandard geforderten Genauigkeit zu liegen, geht man von einer
Reichweite von maximal 200 km aus.
Daneben gibt es noch das Weitbereich-DGPS (WADGPS), das
mit weniger Basisstationen auskommt und die Korrekturdaten mit Hilfe eines
Kommunikationssatelliten aussendet. Um zu verhindern, dass die Reduzierung der
Pseudoentfernungsfehler nicht vom Abstand des Empfängers von der Referenzstation
abhängt, werden die Pseudoentfernungsfehler in Komponenten zerlegt, die jeweils
für eine ganze Region und nicht nur für einen einzelnen Ort Gültigkeit haben.
7.2 Die
Trägerphasenauswertung
Manche Anwendungen wie z.B. die Geodäsie verlangen extrem hohe
Positionsgenauigkeiten, die selbst durch Benutzung des DGPS nicht erreicht
werden können. Für diese Benutzergruppe gibt es spezielle GPS-Empfänger, die
durch die Auswertung der Trägerphase des L1-Trägers Genauigkeiten im cm-Bereich
erzielen. Die Wellenlänge l des L1-Trägers beträgt
in etwa 19 cm (c=l f mit f=1575,42 MHz), die
Entfernung zu einem Satelliten kann jedoch höchstens auf 1-2 Meter genau
bestimmt werden. Dadurch ergibt sich eine gewisse Mehrdeutigkeit, die es durch
das im Folgenden noch zu beschreibende Verfahren zu lösen gilt.
Zunächst muss man sich erst einmal den Zusammenhang zwischen Phase, Laufweg
und Wellenlänge klarmachen. Er wird beschrieben durch die Gleichung . Da sich die Phase jedoch nach 2p bzw.
19,04 cm wiederholt, kann man die Gleichung auch folgendermaßen schreiben: . Hieraus kann man erkennen, dass es zu einem bestimmten Phasenwinkel
unendlich viele D s gibt, die die Gleichung erfüllen
(da n beliebig aus den natürlichen Zahlen gewählt werden kann). Etwas
umgeschrieben ergibt sich die Entfernung des Empfängers vom Satelliten zu . Diese Gleichung zu lösen ist nicht
möglich. Deshalb benötigt man zuächst eine grobe Abschätzung der Entfernung, die
man durch die Auswertung des C/A-Codes, also durch die Laufzeitmessung, erhält.
Diese dürfte höchstens um die halbe Wellenlänge des L1-Trägers um den wahren
Wert schwanken, damit man obige Phasengleichungen eindeutig lösen kann und somit
eine eindeutige Entfernung erhält. In der Praxis weist diese Entfernung jedoch
eine Ungenauigkeit von bis zu 2 Metern auf, was ca. 10 Wellenlängen enspricht.
Diese sich daraus ergebende Mehrdeutigkeit wird durch Differenzenbildung gelöst.
Dazu benötigt man zwei GPS-Empfänger, die entfernt voneinander aufgestellt sind
und die Trägerphase zu jeweils zwei Satelliten messen. Jeder Empfänger misst
sodann die Trägerphase zu zwei Satelliten und kombiniert die Ergebnisse
(Einfachdifferenz), um die Mehrdeutigkeit zu verringern. Anschließend werden die
Einfachdifferenzen von zwei Empfängern kombiniert, was zu den
Zweifachdifferenzen führt. Diese Zweifachdifferenzen werden nun zu zwei
verschiedenen Zeitpunkten bestimmt und daraus eine Dreifachdifferenz berechnet,
mit der man die Phasengleichung eindeutig lösen kann. Somit ist die Entfernung
zu den Satelliten sehr exakt (Fehler im Millimeter-Bereich) vermessen, was man
für eine präzise Positionsbestimmung nutzen kann. Diese Genauigkeit wird
allerdings mit einem erheblichen zeitlichen Aufwand erkauft, der jedoch im
Gegensatz zur Navigation bei der Landvermessung keine große Einschränkung
darstellt.
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